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Zwei Menschen mit Behinderung sitzen mit einer Gitarre unter einem Baum

Modellprojekt "Viktimisierung, Recht und Opferschutz: Menschen mit psychischer Behinderung als Opfer von Gewalt - Multiperspektivische Analysen zu Viktimisierung und deren polizeilicher sowie justizieller Verarbeitung und Entwicklung konkreter Präventionsansätze"

Projektträger:

Evangelisches Klinikum Bethel gGmbH

Projektpartner:

Universität Bielefeld

Zusammenarbeit:

College of Social Sciences and Humanities, Northeastern University Fisher College, Boston, Institut für Menschenrechte Berlin, Monitoring-Stelle UN-BRK, Oberlandesgericht Oldenburg, Deutsche Hochschule der Polizei Münster, Polizeibehörden, Staatsanwaltschaften sowie Amts- und Landgerichte Bielefeld und Paderborn

Fokussiertes Problem:

Werden Menschen mit einer psychischen Behinderung Opfer einer Straftat, empfinden sie sich im Prozess der juristischen Aufarbeitung oftmals als schutzlos und verletzlich. Nicht selten fühlen sie sich erneut als Opfer - diesmal nicht als Opfer einer Straftat, sondern eines Verfahrens, dem sie sich hilflos ausgeliefert fühlen. In Kriminologie und Psychologie spricht man hier von sekundärer Viktimisierung. Mit der psychosozialen Prozessbegleitung (§ 406g StPO) wurde unter anderem für Menschen mit einer psychischen Behinderung ein Lösungsansatz für diese Problematik entwickelt, jedoch wirft die praktische Umsetzung aktuell noch zahlreiche Fragen auf.

Projektziel:

In NRW fühlen sich Menschen mit einer psychischen Behinderung im Prozess der juristischen Aufarbeitung einer Straftat sicher und empfinden sich nicht erneut als Opfer.

  • Das Phänomen der sekundären Viktimisierung ist näher beschrieben.
  • Risiken und Chancen bestehender Verfahren der juristischen Aufarbeitung sind analysiert.
  • Menschen mit einer psychischen Behinderung werden frühzeitig von den Akteuren des Strafverfolgungs- und Strafjustizsystems erkannt und werden durch psychosoziale Prozessbegleiterinnen und -begleiter unterstützt.
  • Indikatoren zur Qualitätssicherung der psychosozialen Prozessbegleitung sind vereinbart.
  • Stärken und Schwächen der bisherigen Umsetzung der psychosozialen Prozessbegleitung sind dargestellt.
  • Ein Präventionskonzept zur Vermeidung sekundärer Viktimisierung von Menschen mit psychischer Behinderung wurde entwickelt.
  • Psychosoziale Prozessbegleiterinnen und -begleiter, Staatsanwältinnen und -anwälte, Richterinnen und Richter sowie Polizistinnen und Polizisten werden in der Kommunikation mit Menschen mit einer psychischen Behinderung durch Schulungen und einen standardisierten Leitfaden unterstützt. Der Leitfaden ist in Bezug auf Verständlichkeit und Anwendbarkeit getestet.

Maßnahmen:

I. Sekundäre Viktimisierung und institutionelle Rahmenbedingungen

Befragung zu Viktimisierungserfahrungen von Menschen mit psychischen Behinderungen, vertiefte kriminologische und juristische Analyse des derzeitigen Forschungsstandes und der einschlägigen normativen Grundlagen sowie Befragung von psychosozialen Prozessbegleitern, Angehörigen der Strafverfolgungsbehörden und des Justizdienstes zu ihren Erfahrungen mit Verfahren, die den Vorwurf der Gewalt gegen psychisch Kranke zum Gegenstand haben.

II. Entwicklung eines Präventionskonzeptes

Auf den empirischen Daten aufbauend, soll ein Präventionskonzept zur Vermeidung sekundärer Viktimisierung entwickelt werden. Fortbildungsmaterialien für die in Polizei und Justiz Tätigen werden erstellt, psychosoziale Prozessbegleiterinnen und -begleiter, Staatsanwältinnen und -anwälte, Richterinnen und Richter sowie Polizistinnen und Polizisten werden zum Umgang mit Menschen mit einer psychischen Behinderung geschult.

Ein standardisierter Leitfaden zum Umgang mit Menschen mit einer psychischen Behinderung wird entwickelt und durch Entscheidungshilfen für den Einsatz von psychosozialen Prozessbegleiterinnen und -begleitern ergänzt.

III. Implementierung des Präventionskonzeptes

Die Experten stehen nicht nur für aufkommende Fragen bereit, sondern werden die Behörden insgesamt bei der Implementierung begleiten. Unklarheiten des Präventionskonzeptes werden dokumentiert und stellen eine erste Grundlage für eine Überarbeitung des Präventionskonzeptes dar.

Wirkung:

Mit einem ganzheitlichen Präventionskonzept möchte das Projekt wesentlich zur Verbesserung der Lebenssituation von Gewaltopfern mit einer psychischen Behinderung beitragen. Das Konzept wird im Austausch mit den Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege, der Polizei und Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen sowie den Trägern von Weiterbildungsangeboten im Bereich der psychosozialen Prozessbegleitung erarbeitet und diesen für ihre praktische Arbeit zur Verfügung gestellt.