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Zwei Menschen mit Behinderung sitzen mit einer Gitarre unter einem Baum

Modellprojekt „Wohnen selbstbestimmt. Inklusiv. Individuell. Im Quartier“

 

Projektträger:

Stiftung Bethel

Projektpartner:

Lebenshilfe NRW, Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität zu Köln

In Zusammenarbeit mit:

Architektenkammer NRW, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, NRW.Bank, Stiftung Wohlfahrtspflege NRW, Agentur Barrierefrei, Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben Köln, LAG Freie Wohlfahrtspflege, Landesarbeitsgemeinschaft Wohnberatung, Landesbehindertenbeauftragte, Landesbüro Altengerechte Quartiere, Landkreistag NRW, Landschaftsverband Rheinland, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Städtetag NRW, Universität Siegen, Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen e. V.

Fokussiertes Problem:

Die meisten Menschen mit Behinderungen wollen wohnen wie alle anderen Menschen auch. Sie dürfen nach Artikel 19 der UN-Behindertenrechts-konvention (UN-BRK) nicht gezwungen werden, in besonderen Wohnformen zu leben, stattdessen müssen sie ein Wahlrecht haben, wie sie wohnen wollen und ob sie „besondere“ Wohnformen in Anspruch nehmen wollen. Das Bundesteilhabegesetzes (BTHG) sieht ebenfalls vor, dass der Lebensbereich Wohnen für Menschen mit Behinderungen nicht über einen Sonderweg geregelt ist.

Die aktuell bestehenden Einschränkungen in der Ausübung des Wahlrechtes werden in NRW durch den Mangel an bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum deutlich verschärft. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die Investoren haben in der Regel nur dann  Interesse daran, bezahlbaren Wohnraum zu erstellen, wenn er sich aufgrund der Nachfrage oder durch besondere Förderkonditionen profitabel an Menschen ohne oder mit Behinderung vermieten lässt. Anbieter der Freien Wohlfahrtspflege füllen oftmals diese Lücke, was Menschen mit Behinderungen in eine doppelte Abhängigkeit vom Vermieter und Dienstleister führt. Zurzeit zielen die aktuellen Bedingungen zur Schaffung von Wohnraum für Menschen mit Behinderungen sowie die Systematik der Finanzierung von Unterstützungsleistungen regelhaft auf die Errichtung und den Betrieb von Zweckimmobilien mit 24 Plätzen ab. Die klassische 24er-Wohnheim-Einheitsnorm – überwiegend in Gruppenstrukturen – entspricht weder den bekannten Wohnwünschen von Menschen mit Behinderungen und deren Rechten noch fachlichen wie wissenschaftlichen Erkenntnissen. Menschen mit komplexen Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf sind von dieser Problematik in besonderer Weise betroffen.

In NRW existieren vereinzelt modellhafte Wohnprojekte, die versuchen diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber: Diese sind in der Regel hinsichtlich Investitions- und Betriebskosten nicht auskömmlich finanziert. Wenn das Ziel der Schaffung von gleichberechtigten Wohn- und Versorgungsangeboten für Menschen mit Behinderung realisiert werden soll, müssen sich die bestimmenden Rahmenbedingungen und Grundlagen verändern.

Projektziel:

Das Wissen und die Erfahrungen zu den Problemen sind systematisch zusammengetragen und ausgewertet. Lösungsansätze für die identifizierten Probleme und Herausforderungen sind entwickelt. Die Lösungsansätze berücksichtigen die spezifischen Bedarfe und den Willen der Menschen mit Behinderungen. Für die identifizierten Bedarfe sind Lösungsansätze entwickelt, deren Finanzierung und Refinanzierung ermöglicht werden und die im Weiteren individualisierbar sind. Empfehlungen zur Anpassung, Veränderung und Weiterentwicklung bestehender Richtlinien, Bestimmungen, Rahmenbedingungen und Verfahren sind entwickelt. Ein Katalog von Empfehlungen als Voraussetzung zur Schaffung „normaler“ Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen ist unter Einbezug der relevanten Akteure erarbeitet und an die jeweils zuständigen Stellen übergeben. Die Fachwelt und die Öffentlichkeit sind über die Projektergebnisse informiert.

Maßnahmen:

Das Projekt beruht auf der Grundannahme, dass in Nordrhein-Westfalen das Wissen, was zu diesen dringend benötigen Veränderungen gebraucht wird, bereits vorhanden ist und folglich zusammengetragen, bewertet und verknüpft werden muss. Das Projekt besteht aus drei aufeinander aufbauenden Projektphasen, die alle in einem transdisziplinären Forschungsansatz bearbeitet werden. Zunächst werden die aktuellen Probleme und Herausforderungen bei der Planung und Realisierung von Wohn- und Versorgungsangeboten für Menschen mit Behinderungen herausgearbeitet. Bereits erprobte Best-Practice-Ansätze fließen darin ein. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse werden in der zweiten Phase, vorerst unabhängig von den bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen, Lösungsansätze für die bestehenden Probleme und Herausforderungen entwickelt. Hierzu können beispielsweise Planungsempfehlungen zu unterschiedlichen Wohnsituationen oder die Entwicklung flächen- und kostenoptimierter Wohnmodelle gehören. Mit Hilfe von Planspielen wird herausgearbeitet, welche Modifikationen realisierbar sind oder ob Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen empfohlen werden.

Wirkung:

Mit dem Projekt könnte eine Grundlage zur landesrechtlichen Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes geschaffen werden, die von den Angehörigen der Zielgruppe als auch den Leistungsanbietern gemeinsam entwickelt wird. Eine hohe Akzeptanz und ein hoher Wirkungsgrad sind zu erwarten. In dem Projekt lernen sich die unterschiedlichen Akteure in einem für sie neuen Kontext kennen - neue Formen der Kooperation könnten gemeinsam gestaltet werden.